Kostenloser Versand: Ein starkes Kaufargument

Kostenloser Versand: Ein starkes Kaufargument

Kostenloser Versand war in der Vergangenheit etwas Besonderes, was von Händlern meistens nur während der Feiertage angeboten wurde, doch heutzutage erwarten Kunden es rund um die Uhr. Die Art der Auftragsabwicklung spielt eine große Rolle bei der Kaufentscheidung eines Kunden; eine Studie von Walker Sands fand heraus, dass fast 80% aller Konsumenten gratis Versand als größten Anreiz sehen, wenn es um den Kauf eines Produktes geht.

Kostenloser Versand ist gut, aber schneller und kostenloser Versand ist besser.

Besonders die Generation Z möchte nicht lange auf die bestellten Artikel warten. Der Walker Sands Bericht fand heraus, dass 54% der Konsumenten unter 25 Jahren “Same-day-shipping” als den größten Faktor bei einer Kaufentscheidung sehen, während 53% eine Lieferung am nächsten Tag und kostenlose Rückgaben oder Umtäusche erwarten.

Um wettbewerbsfähig zu bleiben, sollten Händler den Kunden eine unkomplizierte und schnelle Auftragsabwicklung garantieren. Doch kostenloser Versand kann schnell teuer für Online-Händler werden, wenn sie nicht die nötige Vorarbeit leisten.

Hier sind einige Schritte, die du befolgen kannst, um Versandkosten zu reduzieren und Versand als Kauftreiber für dich zu nutzen.

 

Kenne die Schwelle für kostenlosen Versand

Wenn du leichte Artikel, wie zum Beispiel Handyschutzhüllen oder Schmuck anbietest, oder deine Profitmargen breit gefächert sind, könntest du in der Lage sein, kostenlosen Versand bei jedem Gesamtbetrag anzubieten. Für die meisten Händler ist es jedoch realistischer, gratis Versand ab einem bestimmten Betrag anzubieten, um die Profitabilität aufrecht zu erhalten. Die Profitmarge eines wertvolleren Verkaufs hilft dabei, die Kosten des Versands zu decken.

Finde die Schwelle für dein Unternehmen, indem du den Median deiner Bestellwerte ermittelst – die Nummer, bei welcher 50% deiner Bestellungen über- und 50% deiner Bestellungen unter dem Betrag liegen. Einige Händler nutzen auch den durchschnittlichen Bestellwert, doch wenn du 1 oder 2 teure Produkte verkaufst, könnten diese den Idealbetrag verfälschen. Setze den Mindestbetrag für gratis Versand knapp über deinem Median Bestellwert fest. Dies wird deinem Durchschnittskunden den Anreiz dazu geben, dem Warenkorb mehrere Produkte hinzuzufügen, um sich für den kostenlosen Versand zu qualifizieren.

Du kannst auch mit deinem Mindestbetrag für gratis Versand experimentieren, um zu sehen, welcher Mindestbestellwert am besten funktioniert. Zum Beispiel könntest du analysieren, ob eine Änderung des Mindestbestellwerts für kostenlosen Versand von 35€ auf 50€ die Abbruchrate des Warenkorbs beeinflusst. Falls dies nicht der Fall ist, könnte ein höherer Mindestbestellwert deine Profite erhöhen. Vergiss auch nicht den Mindestbetrag für kostenlosen Versand anzupassen, falls du deine Produktlinie oder Kollektion wechselst.

 

Präsentiere deine Versandrichtlinien im Vorfeld

Wenn du einmal deine Versandrichtlinien festgelegt hast, stelle sicher, dass du sie gut sichtbar auf deiner Website platzierst. Nutze ein Banner oder eine Schaltfläche, die deine Richtlinien kommuniziert. The Children’s Place zeigt die Versandrichtlinien direkt am Anfang der Website an.

Eine Studie des Baymard Instituts fand heraus, dass 55% der Leute, die den Warenkorb ohne einen Kauf verlassen, dies wegen zu hohen Extrakosten, wie zum Beispiel Versand, Steuern und anderen Gebühren getan haben. Indem du kostenlosen Versand anbietest und den dazugehörigen Mindestbestellwert im Vorfeld nennst, kannst du die Abbruchrate des Warenkorbs reduzieren.

Versuche es mit Treueprogrammen

Abhängig von der Art deines Betriebs könntest du kostenlosen Versand als Teil eines Treueprogramms anbieten. 

Eine Studie von Invesp ergab sogar, dass 37,5% der Käufer an Treueprogrammen aufgrund der Belohnung teilnehmen. Du kannst kostenlosen Versand auf einen von zwei Wegen in dein Treueprogramm einbeziehen. 

  1. Berechne deinen Kunden einen kleinen, jährlichen Betrag, um dem Programm beizutreten und lasse kostenlosen Versand ein Vorteil dessen werden, ähnlich wie bei Amazon Prime.
  2. Biete kostenlosen Versand auf Online-Bestellungen an, sobald der Kunde ein bestimmtes Verkaufsvolumen in deinem Treueprogramm erreicht. Beispielsweise bietet Sally Beauty kostenlosen Versand an, sobald ein Programmteilnehmer $200 in einem Kalenderjahr ausgegeben hat. Das Geld, das du durch dieses Programm erhältst und die Steigerung der Anzahl deiner Verkäufe können dir dabei helfen, die Versandkosten auszugleichen.

 

Analysiere deinen Standort

Ein weiterer Weg, kostenlosen Versand anzubieten, ist es, deinen Standort zu überdenken. Wenn deine Produkte von einem Versandzentrum aus versandt werden, solltest du den Standort strategisch nah bei deinen Kunden platzieren. Falls deine Kunden aus allen Ecken des Landes kommen, könnte es Sinn machen, deine Produkte in verschiedenen Versandzentren zu lagern. Kürzere Versandwege reduzieren die Kosten und beschleunigen die Lieferzeiten, was deinem Unternehmen dabei verhilft, wettbewerbsfähig zu bleiben.

Baue Beziehungen mit Versanddienstleistern auf

Falls du ein hohes Verkaufsvolumen mit deinem Webshop erzielst, halte Ausschau nach der besten Versandmöglichkeit. Je mehr du versendest, desto niedriger die Rate. Versanddienstleister werden versuchen, sich gegenseitig zu unterbieten, um mit deinem Unternehmen zu kooperieren. Einige Dienstleister bieten auch kostenlose Versandmaterialien an, die deine Kosten noch weiter senken können. Baue deine Beziehungen mit der Zeit auf und verhandle neue Konditionen je größer dein Unternehmen wird.

Manchmal kann dir eine Mitgliedschaft in einem Berufsverband auch dabei helfen, Geld beim Versand zu sparen. Beispielsweise erhält die Michigan Retailers Association Rabatte von FedEx als Teil der Mitgliedschaft.

Schaue dir auch die Hybrid-Services von Dienstleistern an, wie zum Beispiel SmartPost von FedEx und SurePost von UPS. Diese haben zwar einige Einschränkungen, können jedoch halb so viel kosten wie Standard-Optionen. Diese Services senden die Pakete an die Poststation des Kunden, wo die finale Lieferung von der Poststation durchgeführt wird. Dies kostet weniger, kann aber die Lieferzeiten verlängern. 

 

Biete kostenlosen Versand während Feiertags-Aktionen an

Falls 24/7 graits Versand keine Option für dein Unternehmen darstellt, versuche diesen im vierten Quartal oder während der Feiertags-Saison anzubieten. Im vierten Quartal werden circa 40% des eCom Umsatzes generiert. Da kostenloser Versand für Kunden wichtig ist, versuche es, ihn in dieser hart umkämpften Periode anzubieten. Abhängig von deinen Produkten und deiner Zielgruppe kannst du kostenlosen Versand auch während anderer Feiertage und Ferienzeiten anbieten, wie zum Beispiel am Valentinstag, Muttertag und Vatertag. 

Bildquelle: Thyme Maternity

Oder biete einen kostenlosen Standardversand an

Kunden lieben es, wenn die Lieferzeit nur 1-2 Tage dauert. Doch wenn du schwere Produkte versendest, könnte es nicht kosteneffektiv für dein Unternehmen sein, eine kurze Lieferzeit anzubieten. Gehe dieses Problem an, indem du einen kostenlosen Standardversand anbietest und deinen Kunden die Möglichkeit gibst, gegen eine Gebühr einen schnelleren Versand in Anspruch zu nehmen. 

 

Plane “Bracketing” mit ein

Kostenlosen Versand und Rückversand anzubieten, kann Kunden dazu animieren, “Bracketing” zu praktizieren. “Bracketing” wird jener Prozess genannt, bei welchem Kunden mehrere Versionen eines Artikels bestellen und diejenigen zurücksenden, die nicht passen oder funktionieren. Besonders oft kommt dies bei Bekleidungsgeschäften vor und laut einer Studie von Narvar nutzen 41% der Online-Shopper das “Bracketing” wenigstens ein paar mal.

“Bracketing” erhöht die Versandkosten des anfänglichen Ankaufs; das Paket wird schwerer, wenn mehrere Produkte bestellt werden. Du kannst die Gefahr des “Bracketing” minimieren, indem du analysierst, aus welchen Gründen deine Kunden die Ware zurücksenden. Nutze diese Daten, um deine Größentabellen anzupassen und die Farbpräsentation umzugestalten. Wenn ein Kunde mehr Informationen hat, bevor dieser einen Einkauf tätigt, brauchen nicht mehrere Artikel bestellt zu werden.

Eine steigende Anzahl von Online-Händlern bieten kundenfreundliche Lösungen für das “Bracketing” an, indem sie “try-before-you-buy” Programme erstellen, wie zum Beispiel Warby Parker und Amazon Wardrobe. Kunden werden dazu eingeladen, sich eine einen eigenen Warenkorb an Artikeln zusammenzustellen, ohne eine Anzahlung auf die Produkte zu leisten. Ihnen wird nur berechnet, was sie in einem spezifizierten Zeitfenster nicht zurückschicken. Diese Programme integrieren die Versandkosten in den Kaufprozess und sorgen dafür, dass sich die Kunden verwöhnt fühlen. Einige Unternehmen berechnen auch eine kleine Versandpauschale, um den Service in Anspruch zu nehmen.

 

Kostenloser und schneller Versand verschwindet nicht

Also kannst du deinen Kunden einfach das geben, was sie wollen. Teste verschiedene Mindestbestellbeträge für die Auftragsabwicklung aus, um den idealen Punkt für Konversionsrate und Profit zu finden. Online-Händler haben weniger Möglichkeiten, einen großartigen Service anzubieten, als physische Filialen. Kostenloser Versand ist ein Weg, wie du deine Kunden gut behandeln kannst und aus der Masse herausstichst.