So richten Sie einen Onlineshop in Spanien ein

Spanien hat in der letzten Zeit eher negative Schlagzeilen in Verbindung mit der Wirtschaftskrise und der hohen Arbeitslosigkeit gemacht. Dadurch wird schnell übersehen, dass es durchaus auch positive Nachrichten vom Mittelmeer gibt: So ist der E-Commerce-Markt in Spanien in den letzten Jahren stark gewachsen – ein Grund für uns, den spanischen Markt und das Potenzial, das er für deutsche Onlinehändler bietet, genauer zu betrachten. Dazu gehören auch Antworten auch die Frage, worauf beim Einrichten eines Onlineshops in Spanien geachtet werden muss und viele nützliche Tipps. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht einen Onlineshop in Spanien zu eröffnen?

 

Starkes Wachstum auf dem spanischen E-Commerce-Markt

Spanien hat etwa 47 Millionen Einwohner und gilt als fünftstärkster Wirtschaftsraum von Europa. Allerdings nutzen lediglich 67% der Spanier das Internet. Zum Vergleich: In Deutschland sind es mittlerweile 83% der Bevölkerung. Dabei gibt es in Spanien große regionale Unterschiede: In den Großstädten Barcelona, Madrid und Valencia, sowie in Baskenland, werden die meisten Online-Bestellungen getätigt. Mit rund 13 Milliarden Euro Umsatz im E-Commerce war Spanien im Jahr 2012 die vierte europäische E-Commerce-Wirtschaftsmacht.

Gemessen an der Bevölkerungszahl ist der Umsatz im spanischen E-Commerce jedoch noch relativ niedrig und dementsprechend groß ist der Nachholbedarf. Der spanische Konsument entdeckt derzeit in großer Zahl das Online-Shopping und ständig entstehen neue Online-Initiativen und Onlineshops. Forrester vermutet, dass Spanien bis 2017 mit rund 18% Wachstum pro Jahr stärker im Bereich E-Commerce wachsen wird als alle anderen europäischen Länder. *

Auf dem Gebiet des M-Commerce ist Spanien dagegen schon jetzt gut vertreten. Die Spanier lieben elektronische Gadgets und mit 66% Marktanteil sind Smartphones in Spanien weiter verbreitet als in den anderen großen Ländern Europas. Derzeit haben etwa 10% der spanischen Smartphone-Besitzer schon einmal einen Einkauf über ihr Telefon erledigt. **

* Quelle: Forrester, European Online Retail Forecast, 2012 To 2017
** Quelle: Paypal-Studie

Der spanische Konsument

Jedes Land hat seine eigenen Sitten und Gebräuche und so tickt der spanische Konsument auch anderes als der deutsche. Da Spanien ein recht großes Land ist, sind die meisten Spanier eher auf ihre lokale oder regionale Umgebung ausgerichtet. Fremdsprachen sind außer in den touristischen Regionen an den Küsten und auf den Inseln wenig verbreitet. Haben Spanier überhaupt in der Schule Englisch gelernt, trauen sie sich häufig nicht, die Sprache zu benutzen. Es ist daher wichtig, die Spanier in ihrer eigenen Sprache anzusprechen.

Eine weitere Eigenheit der spanischen Konsumenten, das sie mit den Deutschen gemeinsam haben, ist eine gewisse Preissensibilität. Im Allgemeinen spielt der Preis für sie eine größere Rolle als die Qualität, allerdings hängt dies auch vom jeweiligen Produkt und vom Käufer ab. Im Modebereich funktioniert die Kombination aus Markenkleidung und großzügigen Rabatten ganz hervorragend, wie der Erfolg des spanischen Unternehmens Privalia (ca. 400 Mio. Euro Umsatz im Jahr 2012) zeigt.

Der Spanier steht dem Internet häufig misstrauisch gegenüber und so kann es leicht vorkommen, dass ein spanischer Kunde zunächst die Telefonnummer einer Website anruft um sich zu vergewissern, ob das Angebot real ist und ob die angegebenen Lieferzeiten stimmen, ehe er eine Online-Bestellung aufgibt. Dieses Misstrauen hat seine Ursache auch im eher schlechten Kundenservice in Spanien, der die Kunden regelmäßig enttäuscht oder verärgert. Da die Spanier miserablen Kundendienst gewöhnt sind, sind sie allerdings auch weniger anspruchsvoll als beispielsweise deutsche oder niederländische Konsumenten.

Online in Spanien: So erreichen Sie Ihre Zielgruppe auf spanischen Seiten

Ein wichtiger Aspekt des Online Marketings ist die Präsenz auf Seiten, auf denen auch die Zielgruppe zu finden ist. Das heißt, die “Hangouts” der potenziellen Kunden müssen herausgefunden werden, egal ob Social Media, Preisvergleichsportale, Google Shopping oder Informationsseiten.

Was das Suchmaschinenmarketing betrifft, sind viele Nischen noch unbesetzt und auch spanische Onlineshops sind häufig noch nicht professionell aufgestellt.

Ein angenehmer Nebeneffekt einer spanisch-sprachigen Version Ihres Onlineshops ist übrigens die Tatsache, dass Sie auch viele Besucher aus weiteren Ländern, zum Beispiel aus Südamerika, haben werden. Spanisch ist die nach Englisch und Chinesisch am weitesten verbreitete Sprache der Welt. So können Sie also Menschen überall auf der Welt erreichen.

Das Online-Marketing hinkt in Spanien noch etwas hinterher, doch im Großen Ganzen werden Sie in etwa die gleichen Kanäle nutzen können wie in anderen Ländern. So gibt es internationale Preisvergleichsportale wie Ciao und Kelkoo in Spanien ebenso wie lokale Varianten wie ShoppyDoo und Encuentraprecios. Das französische Portal Leguide ist mit Mercamania ebenfalls gut am spanischen Markt vertreten. Da es in Spanien derzeit noch recht wenige miteinander konkurrierende Onlineshops gibt, sind die CPC-Preise bei Adwords relativ niedrig im Vergleich zu ähnlich großen Ländern wie Deutschland und Frankreich.

In Spanien gibt es zahlreiche Affiliate Netzwerke, darunter die globalen Unternehmen Zanox und Tradedoubler, aber auch viele französische Firmen. Affiliate Marketing wird derzeit vor allem von größeren Unternehmen dominiert und weniger von kleineren Onlineshops.

Spanier sind in den Social Media-Kanälen sehr aktiv, was mit der Kultur zusammenhangen mag. Den Iberern wird schließlich nachgesagt, dass sie offener und kommunikativer miteinander umgehen als die steifen Nordlichter und viel miteinander teilen. Zwar liegen mir keine harten Fakten vor, doch Südeuropäer haben scheinbar insgesamt mehr Social Media-Kontakte als Nordeuropäer. Facebook ist schon jetzt sehr beliebt in Spanien und Twitter und LinkedIn sind stark im Kommen. Außerdem gibt es noch das spanische Netzwerk Tuenti, das vor allem auf Jüngere ausgerichtet ist.

Spanische E-Commerce-Regeln

Es gibt keine besonderen Voraussetzungen um in Spanien einen Onlineshop zu eröffnen. Im Gegenteil, immer mehr europäische Initiativen arbeiten daran, die Hürden für einen grenzenlosen E-Commerce Verkehr abzubauen und es den Konsumenten zu erleichtern, Bestellungen im Ausland aufzugeben.

Da die E-Commerce-Regeln ohnehin immer häufiger auf europäischer Ebene festgelegt werden, ähnelt die nationale Gesetzgebung in Spanien stark der deutschen. Die Anforderungen an den sicheren Bestellprozess sind in Spanien weniger streng als in Deutschland und dem Aufbau eines spanischen Onlineshops stehen im juristischen Sinn kaum Hemmnisse gegenüber.

Das bisher in Spanien übliche Widerrufsrecht von 7 Tagen wird in Kürze auf EU-konforme 14 Tage erweitert. Jeder Onlineshop sollte eine Datenschutzerklärung enthalten, die auf den Umgang mit persönlichen Daten der Nutzer hinweist. In Spanien muss es zusätzlich eine Checkbox geben, bei der die Kunden aktiv zustimmen können, dass sie mit den Datenschutzvereinbarungen oder anderen Regelungen einverstanden sind, zum Beispiel auch mit dem Empfang eines Newsletters (Opt-In).

Die Cookie-Richtlinien wurden kürzlich aktualisiert, nachdem spanische Datenschutzbeauftragte gemeinsam mit der Branche eine neue Richtlinie nur Nutzung von Cookies erarbeiteten. Dadurch wird das Thema Cookies in Zukunft vermutlich größere Beachtung finden.

Aktuell ist Confianza Online die wichtigste Prüfstelle für Onlineshops in Spanien, doch es gibt auch noch günstigere Prüfstellen, die Gütesiegel verteilen.

Zahlungsarten

In Spanien sind Kreditkarten (TPV virtual), Paypal und Überweisungen die wichtigsten Zahlungsarten bei Onlinebestellungen. Auch die Lieferung und Bezahlung per Nachnahme ist in Spanien weit verbreitet, da viele Menschen dem Onlinebezahlvorgang misstrauen.

Online-Banking ist in Spanien noch nicht so weit verbreitet wie in anderen Ländern und die meisten Menschen erledigen ihre Bankgeschäfte noch immer in der örtlichen Filiale ihrer Bank. Wird die Bezahlmethode Banküberweisung gewählt, kann es also leicht zu mehreren Tagen Verzögerung kommen.

Um die Zahlungen der spanischen Kunden so problemlos wie möglich zu verwalten, empfiehlt sich die Zusammenarbeit mit einem internationalen Payment Service Provider. Achten Sie aber darauf, dass dessen Seiten auch auf Spanisch zu sehen sind!

Logistik

In Spanien werden die Lieferzeiten häufig flexibler behandelt, da nicht in jedes abgelegene Dorf 24-Stunden-Express-Lieferung möglich ist.

Sollten Sie in Erwägung ziehen, vor Ort ein externes Lager zu unterhalten, anstatt Ihre Waren direkt von Deutschland aus zu versenden, sollten Sie bedenken, dass der Inlandsversand in Spanien nicht unbedingt günstiger ist. Auch gibt es Frachtunternehmen wie zum Beispiel UPS, die auch von Deutschland aus innerhalb von 24 Stunden nach Spanien liefern (zumindest in die Großstädte). Ein Lager vor Ort ist also nicht unbedingt notwendig um möglichst schnell Ihre Waren auszuliefern.

Neben internationalen Frachtunternehmen wie DHL und GPS bedienen auch mehrere große spanische Unternehmen wie Seur, MRW und Halcourier den spanischen E-Commerce-Markt. Dadurch konnte die Logistik vor Ort in den letzten Jahren stark verbessert werden.

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Bedenken Sie aber auch, dass Spanien nicht nur aus dem Festland besteht, sondern auch aus verschiedenen Inselgruppen wie den Balearen mit Mallorca und Ibiza und den Kanarischen Inseln. Die Balearen stellen gewöhnlich kein Problem dar, doch beim Versand auf die Kanarischen Inseln, die außerhalb der EU-Zollgrenzen liegen, kann es zu Verzögerungen durch zusätzliche notwendige Formulare kommen und dem Händler können zusätzliche Kosten entstehen. Viele spanische Onlineshops liefern daher nicht auf die Kanaren.

Zuletzt noch ein Hinweis: Wundern Sie sich nicht, wenn eine spanische Adresse aus einer Kilometerangabe an einer Fernstraße besteht. Die örtlichen Postboten wissen schon, wohin sie das Paket bringen müssen.

Praktische Hinweise für Ihren Onlineshop in Spanien

Zum Schluss noch ein paar nützliche Tipps für alle, die überlegen, in den spanischen E-Commerce-Markt einzusteigen:

    • Achten Sie auf “Local Look & Feel” um beim Kunden Vertrauen zu wecken und dadurch mehr Conversions zu bekommen
    • Achten Sie bei einem Onlineshop in Spanien darauf, dass Ihre Website vollständig auf Spanisch erstellt wird, d.h. auch Banner, URLs und E-Mails: Dadurch gewinnen Sie nicht nur das Vertrauen Ihrer Kunden, sondern auch eine bessere organische Positionierung.
    • Bieten Sie spanische Zahlungsmöglichkeiten an und achten Sie darauf, dass die Zahlungsseiten Ihres Payment Service Providers auch in korrektem Spanisch angezeigt werden. Eine spanische Bankverbindung ist sehr hilfreich, wenn Sie Überweisungen als Zahlungsmöglichkeit anbieten.
    • Nutzen Sie eine örtliche spanische Kontaktadresse und Telefonnummer.
    • Werden Sie Mitglied bei einem spanischen Gütesiegelverband und entfernen Sie nicht-spanische Gütesiegel und Logos, die Sie nicht benötigen.
    • Verlassen Sie sich bei der Suche nach guten spanischen Keywords nicht nur auf den Google Keyword Planner, sondern bitten Sie einen spanischen Muttersprachler um Hilfe
    • Auch bei Adwords sind gut formulierte spanische Texte wichtig – vermeiden Sie englische Texte!
    • Mit einer spanischsprachigen Website finden auch Besucher aus Südamerika den Weg zu Ihrer Seite. Achten Sie darauf, dass Sie diese Länder bei CPC-Kampagnen ausschließen, wenn Sie ohnehin nicht dorthin liefern – sie würden nur unnötige Kosten verursachen.
    • Lassen Sie eine professionelle Übersetzung von jemandem mit Online-Erfahrung erstellen und achten Sie auf eine SEO-Optimierung.
    • Sie werden mehr Umsatz erzielen, wenn Sie telefonische Bestellungen annehmen können (vor allem bei B2B).

Fazit

E-Commerce kommt in Spanien derzeit richtig in Schwung. Trotz der Wirtschaftskrise ist es der richtige Zeitpunkt um mit einem Onlineshop in Spanien durchzustarten: Ein großer Wirtschaftsraum, ein starkes E-Commerce Wachstum und derzeit noch relativ wenig Konkurrenz warten auf Sie!
Die wichtigste Voraussetzung: Achten Sie darauf, dass Ihr Onlineshop auf den spanischen Markt abgestimmt ist!

Viel Erfolg in Spanien!

 

Sander van Zutphen

Sander van Zutphen

Sander van Zutphen ist seit 2006 auf dem spanischen E-Commerce-Markt aktiv und gründete 2012 Ecommerce Managers.
Ecommerce Managers hilft einerseits ausländischen Unternehmen mit dem Einstieg in den spanischen Markt und andererseits spanischen Unternehmen ihr E-Commerce-Angebot zu erweitern und zu verbessern. Ecommerce Managers ist in Barcelona ansässig.
Ecommerce Managers ist ein Partner von SEOShop und kann auch Ihnen dabei helfen, Ihren Onlineshop für den spanischen Markt anzupassen. Wollen Sie mehr wissen, nehmen Sie gerne Kontakt zu uns auf (sander@ecommercemanagers.com).