Interview: Das denken Gastronomen über den Lockdown

Interview: Das denken Gastronomen über den Lockdown

Seit dem 2. November gilt in Deutschland erneut ein Lockdown für das Gastgewerbe. Er trifft viele Gastronomen hart – zum zweiten Mal innerhalb weniger Monate. Und auch wenn es durchaus Möglichkeiten und Tools gibt, mit denen Gastronomen es durch den November schaffen können, nehmen wir diese neue Entwicklung zum Anlass, um Kunden, die wir bereits zum ersten Lockdown-Interview im April befragt hatten, erneut um Rede und Antwort bitten: Wie ist es ihnen seit dem ersten Herunterfahren der Gastronomie ergangen? Können sie den neuerlichen Shutdown nachvollziehen? Und was ist dieses Mal anders? 

Lockdown-Interview mit Artin Martinian

Das sagt Artin Martinian, Geschäftsführer des Restaurants “Esszimmer 5630” in Remscheid, in unserem Lockdown-Interview:

Konnte sich Dein Geschäft nach dem ersten Lockdown etwas erholen? Wie ist es Dir seitdem ergangen?

Wir haben, wie Ihr wisst, sehr schnell reagiert und einen Lieferservice auf die Beine gestellt. Dabei haben wir bewusst auf Lieferando und Co. verzichtet. Von Tag eins hatten wir durchaus großen Erfolg damit. Mitte April hat es etwas nachgelassen, aber mit erneuten Werbemaßnahmen konnten wir – im wahrsten Sinne – ordentliche Umsätze einfahren. Als wir dann wieder aufmachen durften, haben wir natürlich alle Maßnahmen umgesetzt und konnten erfreulicherweise fast zur Normalität zurückkehren. Im Juli haben wir dann den Fokus auf Catering gesetzt und konnten so einige Familien- und Firmenfeiern ausrichten. Dabei haben wir unseren Lieferservice die ganze Zeit über aufrecht erhalten. Kurzum: Uns ging es ganz gut. Bis Ende Oktober.

Was bedeutet jetzt der zweite Lockdown für Dich und Deinen Betrieb? Wirst Du ihn überstehen? Wie?

Nur ein Wort: Schock! Wir sind fassungslos, warum gerade das Gastgewerbe nun wieder schließen muss, obwohl das Robert-Koch-Institut unserer Branche wiederholt bescheinigt hat, nicht zu den Pandemietreibern zu gehören. Ob und wie wir den zweiten Lockdown überstehen, ist davon abhängig, wie die Fördermaßnahmen auf eventuelle Einnahmen durch den Lieferservice angerechnet werden. Tendenziell möchten wir für unsere Gäste und auch für unsere Mitarbeiter aktiv bleiben. Aber wenn es sich betriebswirtschaftlich nicht lohnt, müssen wir es leider ganz lassen. Dass das Kurzarbeitergeld auf die Förderung angerechnet wird, ist schon schlimm genug. 

Was würdest Du an dem Kurs der Bundesregierung loben, was kritisieren?

Es fällt mir gerade schwer, ehrliches Lob auszusprechen, deshalb lasse ich es bleiben. Ich würde mir wünschen, dass alle vom zweiten Lockdown betroffenen Unternehmen die Möglichkeit erhalten, Umsätze zu generieren, ohne dass das von der Förderung abgezogen wird. Wir alle laufen jetzt schon den Verlusten hinterher und hätten so zumindest theoretisch die Möglichkeit, etwas aufzuholen. Denn eines ist klar: Ein echtes Weihnachtsgeschäft wird es in diesem Jahr nicht geben. Und möglicherweise wird der Lockdown ja sogar verlängert. 

Was ist Dein Appell an Deine Gäste?

Wir lieben unsere Gäste und sind dankbar dafür, dass sie uns in den letzten Monaten so toll unterstützt haben. Mein Appell an alle Gäste: Folgt euren Lieblingsrestaurants auf Facebook, Instagram & Co. und unterstützt sie bei ihren Maßnahmen. Ob es ein Liefer- und/oder Abholservice ist, die Möglichkeit Gutscheine zu kaufen oder was auch immer. Seid gegenseitig für einander da!

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Und so antwortete Martinian in unserem ersten Lockdown-Interview im April 2020:

Wie hat sich die Corona-Krise auf Dein Geschäft ausgewirkt?

Verheerend. Wir verzeichnen aktuell 70-80 Prozent weniger Einnahmen. Einziger Rettungsanker ist derzeit noch unser eilig aufgesetzter Liefer- und Abholservice, der immerhin erfreulich gut funktioniert.

Reicht das Geschäft mit Liefer- und Abholservice aus, um Deinen Betrieb weiterzuführen?

Nein, sicher nicht. Unser Geschäft ist wie bei wahrscheinlich allen Gastronomen buchstäblich eingebrochen. Das kann ein Lieferservice nicht annähernd auffangen.

Welche Gegenmaßnahmen hast Du sonst noch ergriffen?

Wir haben im engen Austausch mit unserem Steuerberater Fördergelder sowie eine Stundung der Umsatzsteuer beantragt. Wir stehen außerdem in Kontakt mit unserem Vermieter, kaufen Strom nach tatsächlich verbrauchten KWh ein und schauen auch sonst überall auf die Kosten. Einigen Mitarbeitenden mussten wir leider kündigen, für andere haben wir Kurzarbeit angemeldet. Zudem promoten wir den Liefer- und Abholservice gerade massiv, damit wenigstens diese Einnahmen erhalten bleiben. Und auch Lightspeed konnte uns mit seinem kostenlosen Digitalpaket kurzfristig weiterhelfen.

Wie lange kannst Du unter den gegebenen Umständen noch durchhalten?

Wenn die Situation so bleibt, wie sie ist, maximal drei Monate.

Wie bist Du als Gastronom mit dem aktuellen Corona-Kurs der Bundesregierung zufrieden?

Die bisher realisierten Lösungen für unsere Branche sind in meinen Augen ein Schlag ins Gesicht. Die Lockerung der Kontaktbeschränkung hätte unbedingt auch für die Gastronomie jetzt kommen müssen. Es muss eine Eröffnung her, denn jeder neue Tag stürzt uns weiter in die Krise. Das Hauptproblem ist doch, dass wir keinen Nachholeffekt haben: Den Umsatz, den wir heute nicht machen, können wir auch nicht mehr aufholen.

Erneuter Lockdown für das Gastgewerbe

Mit den Lightspeed Tools schaffen auch Sie es durch den November.