Die Alpenmärkte unter die Lupe genommen

Österreich und die Schweiz sind attraktive Absatzländer für deutsche B2C eCommerce Unternehmen. Die eCommerce Umsätze im DACH-Raum entwickeln sich positiv und gleichzeitig wächst das Vertrauen der Konsumenten in den Onlinehandel in allen drei Ländern. Eine Umfrage des E-Commerce-Center Köln im Auftrag des Handelsvervand Deutschland (HDE) zeigt, dass 4 von 5 deutschen Onlinehändlern ihre Produkte auch in Österreich verkaufen.

Ein deutlicher Pluspunkt für deutsche Onlinehändler in Österreich und der Schweiz sind die niedrigen Sprachbarrieren. So wird beispielsweise eine aufwendige Übersetzung des Onlineshops hinfällig. Durch die räumliche sowie kulturelle Nähe zu den beiden Nachbarländern scheint es, dass sie mit besonders wenigem Aufwand für deutsche Onlinehändler zu erreichen sind. Trotzdem gibt es beim länderübergreifenden Onlinehandel immer einige Dinge zu beachten.

DACH Online-Shopper: ähnlich aber doch unterschiedlich

Online-Shopper in der Schweiz, Österreich und Deutschland weisen ein relativ ähnliches online-Einkaufsverhalten auf, das zeigt die Studie „Erfolgsfaktoren im E-Commerce“ des ECC Köln im Zusammenarbeit mit Namics und prudsys. Die Verbraucher im DACH-Raum sind sich einig, dass ein Onlineshop Produkte mit guter Qualität anbieten muss. Am zweitwichtigsten ist den Verbrauchern aller drei Länder ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis. Es gibt aber auch länderspezifische Unterschiede. Wir schauen uns die Schweiz genauer an:

So ticken Schweizer Online-Shopper

shut1

Weniger Ansprüche an Onlineshops

Generell lässt sich unter den schweizer Konsumenten ein tendenziell geringerer Anspruch an Onlineshops feststellen. Nur knapp die Hälfte der schweizer Konsumenten bewerten Produktqualität als ein „absolut wichtiges“ Kriterium für einen Onlineshop. In den Nachbarländern fällt dieser Wert mit rund 60% höher aus. Die Leiterin des ECC Köln, Sabrina Mertens, begründet das Ausmaß an Anspruchsdenken von Konsumenten gegenüber Onlineshops mit „einem höheren Professionalisierungsgrad der Onlineshops in Deutschland und einer höheren Kauffrequenz der deutschen Online-Shopper.“

Eine volle Kostentransparenz

Das Vertrauen der Kunden wird durch Kostentransparenz deutlich gesteigert. Für Schweizer ist die Offenlegung aller Kosten ganz besonders wichtig. So bewerten Schweizer Kunden gleich nach Produktqualität und Preis-Leistungs-Verhältnis Kostentransparenz als das dritt-wichtigste Kriterium, das ein Onlineshop erfüllen muss.

Weniger einkaufen aber mehr ausgeben

Ein weiterer Befund der Studie ist, dass Schweizer weniger online einkaufen aber dafür mehr ausgeben. 45% der Schweizer kaufen im Schnitt mindestens einmal im Monat ein – 9% weniger als die Österreicher und sogar 21% weniger als die Deutschen. Wenn Schweizer online shoppen, füllen sie aber gerne ihre Warenkörbe. Daten von Ecommerce Europa bestätigen, dass Schweizer grundsätzlich mehr ausgeben als Deutsche. Die durchschnittlichen Ausgaben pro Online-Shopper liegen in der Schweiz bei 1.750 Euro verglichen mit 1.300 Euro in Deutschland.

Hohe Tendenz grenzübergreifend zu shoppen

Dadurch, dass die Schweiz ein relativ teures Land ist und jede Region an ein Land mit einer anderen Landesprache angrenzt (Frankreich, Italien, Deutschland oder Österreich), sind Schweizer Verbraucher es gewohnt, über die Grenzen hinaus online einzukaufen. Ausländische Onlineshops bieten den Schweizern Vorteile wie:

  • Günstigere Artikelpreise
  • Währungsvorteile gegenüber dem starken Franken
  • Angebotsbreite im Ausland : Zugang zu in der Schweiz nicht erhältlichen Waren (vor allem Markenprodukte)

Deutsche Anbieter in der Schweiz

Es ist erkennbar, dass sich eCommerce in der Schweiz weniger dynamisch entwickelt als in den führenden, größeren Märkten Europas. Von 2012 auf 2013 zeigte der Schweizer eCommerce ein Wachstum von 14% verglichen mit fast 42% in Deutschland. Auf der anderen Seite haben expansionsorientierte Onlineanbieter aus einem großen Markt wie Deutschland Chancen, aufgrund des hohen Preisniveaus der Schweiz gewinnbringende Bestellungen von Schweizer Kunden zu erzielen. Nach Angaben des eCommerce Report Schweiz 2014 platzierten Schweizer Konsumenten im Jahr 2013 bei ausländischen Anbietern Onlinebestellungen im Wert von rund 1,2 Milliarden CHF. Viele sehen in ausländischen Wettbewerbern einen starken Treiber für die Entwicklung des eCommerce in der Schweiz.

„Ausländische Anbieter haben mehrere Vorteile: günstigere Produktionskosten, schnellere und günstigere Versandmöglichkeiten in die Schweiz und einen um ein Vielfaches höheren Zollfreibetrag.”

Sven Beichler, mySwissChocolate

Da die Schweiz kein EU Mitgliedsstaat ist, müssen jedoch andere rechtliche Vorgaben eingehalten werden. Es können Cross-Border Probleme auftauchen, die es sowohl rechtlich als auch praktisch zu lösen gilt:

  • Grenzbarrieren: Importregelungen
  • Zollanmeldung (Zölle, Mehrwertsteuer)
  • Währungsprobleme mit der EU: hoch bewerteter Schweizer Franken
  • Bei Verträgen mit Konsumenten in der Schweiz gilt schweizerisches Recht, das gleiche gilt für Österreich.

Die Schweizerische Eidgenössische Zollverwaltung (EZV) gibt Ihnen genauere Informationen über die Einfuhr von Waren in die Schweiz.

Doch kein Widerrufsrecht in der Schweiz

Der Nationalrat der Schweiz stimmte kürzlich gegen die Einführung des gesetzlichen Widerrufsrechtes für den Onlinehandel. Somit wird es Verbrauchern der Schweiz doch nicht erlaubt, wie in Deutschland, Ware binnen 14 Tagen kostenfrei zurückzusenden. Die Begründung dieser Entscheidung des Nationalrats der Schweiz lag darin, dass Onlinekunden keines zusätzlichen Schutzes bedürfen, da sie genug Informationen und Zeit für eine Kaufentscheidung haben.

Österreich: Bürokratische Hürden auch innerhalb der EU

shut2

Für die Lieferung von Waren und Dienstleistungen in andere EU-Mitgliedsstaaten gelten sogenannte Umsatzsteuer-Schwellenbeträge, welche je nach Land unterschiedlich ausfallen. So müssen Einzelhändler oberhalb einer bestimmten Umsatzhöhe eine Umsatzsteuererklärung in das jeweilige EU-Land einreichen. In Österreich liegt dieser Grenzbetrag bei 35.000 Euro im Jahr. Verkäufe an österreichische Endkonsumenten, die diesen Betrag überschreiten, führen dazu, dass Sie als Onlinehändler die Umsatzsteuer in Österreich abführen müssen. Dazu muss zunächst eine Umsatzsteuernummer (UST-ID) beim österreichischen Finanzamt beantragt werden. Was wichtig zu beachten ist, ist, dass die Umsatzsteuer in Österreich bei 20% liegt und nicht bei 19%, wie die Mehrwertsteuer in Deutschland.

Schlussbemerkung

Österreich und Teile der Schweiz zählen zum deutschsprachigen Raum, trotzdem müssen auch hier Hindernisse beim grenzüberschreitenden Onlineverkauf beachtet werden. Wie die Studie des ECC Köln beweist, gibt es Unterschiede in Gepflogenheiten beim Onlineeinkauf. Schweizer Konsumenten sollten hierbei besonders unter die Lupe genommen werden. Andere Hindernisse, wie bürokratische Hürden und unterschiedliche Rechtslagen in den Ländern müssen ebenfalls beachtet werden, wenn Sie über Ihren deutschen Onlineshop Ware in der Schweiz und Österreich verkaufen.